tl;dr episode 11: drei fragen an … hanna

om zum gruße und herzlich willkommen zur elften ausgabe unserer fragestunde rund um den persönlichen musikalischen werdegang, die zugegebenermaßen ein bisschen sehr lange auf sich warten ließ. das tut mir leid, es ging aus allerhand gründen nicht schneller. zwinkersmiley.

hoffen wir also, daß bis zur nächsten ausgabe nicht wieder vier monate ins land ziehen – und glaubt mir, das warten auf diese episode hat sich gelohnt. zoomvorhang auf für hanna.

zunächst mal, wer bist du, was machst du und überhaupt?

hallo, mein name ist hanna. bis vor etwa einem jahr haben mein mann (jo)achim und ich eine ziemlich grossartige live-kunst-musik-veranstaltungs-club-kneipe betrieben, in der jedes wochenende regionale bands, sänger und allerlei kleinkünstler aufgetreten sind. im prinzip muss man sich das vorstellen wie einen grösseren irish pub, nur mit besserem bier, tollem essen, bequemen stühlen und sauberen toiletten [lacht].

heute ist der laden natürlich zu und macht vermutlich auch nicht mehr auf, da achim und ich längst aus der verzweiflung bzw. der not eine tugend gemacht haben und seit ein paar monaten in völlig anderen professionen zugange sind – und dafür glücklicherweise meistens anständig bezahlt werden. so ist beispielsweise fast schon nebenbei, quasi aus einer sektlaune heraus, in den letzten wochen ein drehbuch für ein hörbuch entstanden, das sogar noch in diesem jahr professionell produziert und veröffentlicht werden soll – damit hätte ich wirklich niemals gerechnet.

ich sollte dazu wohl anmerken, dass achim von hause aus studierter germanist ist, der über die jahre schon eine ganze menge sachen, hauptsächlich scifi-kurzgeschichten, geschrieben hat, die immer wieder mal den weg in gedruckte bücher bzw. sammelbände gefunden haben. trotzdem war das immer nur ein hobby, da ging es nie ernsthaft um geld. ich dagegen bin eigentlich gelernte industriekauffrau und bringe in unser autoren-projekt kaum mehr als eine blühende phantasie und haufenweise ideen mit ein. um so erstaunlicher, daß daraus etwas konkretes erwachsen ist.

whoa. jetzt käme eigentlich frage eins nach dem ersten selbst gekauften album, aber das mit eurem musik-club-kneipe-pub ist ja echt traurig.

absolut. als sich im laufe der monate immer deutlicher abzeichnete, daß wir auf absehbare zeit nicht mehr würden öffnen können, ging es uns ziemlich beschissen. was uns dabei so richtig fertig gemacht hat, war, daß wir irgendwann unsere mitarbeiter nicht mehr bezahlen konnten und sie wegschicken mussten – unser koch manfred arbeitete da schon seit über fünfundzwanzig jahren bei uns. er gehört praktisch zur familie.
gott sei dank sind die meisten nicht sauer auf uns oder gar nachtragend. sollten wir tatsächlich noch mal aufmachen, dürfen wir fragen, ob sie sich vorstellen könnten, noch einmal bei uns mitzumachen.

aber. wenn ich von heute auf das letzte jahr zurückschaue, muss ich sagen, dass wir trotz allem unheimlich viel glück gehabt haben. alle in unserer familie sind gesund geblieben. wir haben so gut wie keine schulden, wir haben eine neue aufgabe gefunden und manfred kocht noch jedes zweite wochenende für uns alle. für das alles bin ich unendlich dankbar –  und werde mir jetzt erst mal ein tränchen wegwischen und einen frischen gin tonic eingießen.

lass uns ruhig über musik reden. neben der familie ist musik immer die große positive konstante in unserem leben gewesen. apropos groß. von frust und langeweile angetrieben habe ich letzten herbst unsere komplette sammlung katalogisiert. die ganz genauen zahlen müsste ich nachschlagen, aber so pi mal daumen lagern in unseren schränken, regalen und auf dem dachboden etwas über sechzehntausend vinyl-schallplatten und -singles. allesamt alphabetisch sortiert in vielen, vielen kisten. dazu kommen knapp zweieinhalbtausend audio-cds und live-dvds/blurays. 

wow. dann hast du sicherlich doch auch die eine oder andere platte gekauft, die dir heute so richtig schlimm peinlich ist, oder?

aber mit sicherheit. obwohl. die wirklich großen katastrophen hat immer achim angeschleppt. ich weiß zum beispiel noch, daß er mir einmal euphorisch eine stunde lang erklärt hat, weswegen ich irgendwann in ferner zukunft froh sein würde, dass er die but seriuosly von phil collins gekauft hat – was übrigens bis heute nicht ein einziges mal der fall war [lacht].
dabei ist mir durchaus klar, welche zeitlosen klassiker der mann geschrieben hat, ich ertrage jedoch die stimme des herrn collins einfach nicht. 

drittens: welche sind deine persönlichen drei besten platten aller zeiten?

vor langer, langer zeit, als ich noch jung und knackig war, war ich unsterblich verknallt in david byrne – der sieht für sein alter übrigens immer noch unverschämt gut aus. aber halt, du hast ja nach alben gefragt [kichert].
mir geht es wie vermutlich den meisten menschen, mit denen du solche gespräche führst: ich kann mich nicht festlegen, denn jedes album, jede band und jede musikrichtung hat ihre zeit. ende der siebziger war ich wie gesagt hin und weg, wenn ich die talking heads gehört und gesehen habe. später waren es eher die ärzte oder auch die verschiedenen projekte der humpe schwestern. ich war mir auch schon mal ganz sicher, daß trio die beste deutschsprachige band aller zeiten ist.
was mich zuletzt so richtig umgehauen hat, war das erste album von the xx. beim song islands bekomme ich heute noch gänsehaut – du meine güte, das ist nun auch schon über zehn jahre alt.

viertens: welches berühmte album findest du schrecklich?

was nach meinem empfinden durchweg sehr schlecht gealtert ist, ist diese art pop-musik, die ich gerne als „miami-vice-soundtrack“ bezeichne. wie nennt sich das denn tatsächlich? achtziger jahre synthie-pop? du weißt schon, diese art musik, mit der u.a. jan hammer damals berühmt geworden ist.
apropos achtziger.
ich konnte michael jackson noch nie leiden. prince war und ist der heiße scheiß [lacht].

fünftens: vinyl, cd, mp3 oder streaming?

ich kaufe immer noch am liebsten vinyl-schallplatten und bin sehr froh, daß man seit ein paar jahren wieder fast alles in diesem format bekommen kann. streaming mag für viele menschen eine praktische und kostengünstige möglichkeit sein, musik zu hören, ich persönlich finde jedoch, daß spotify, itunes und all die anderen der musik als kunstform sehr geschadet haben.
immer mehr künstler veröffentlichen nur noch einzelne songs, kaum jemand nimmt sich noch die zeit, in ruhe ein ganzes album komplett durchzuhören, geschweige denn, sich in ruhe das artwork eines albums anzuschauen.
ich fürchte, daß das klassische album, bei dem sich der künstler überlegt, in welcher reihenfolge die songs gespielt werden sollten, oder welcher der letzte auf seite a und der erste auf seite b sein sollte, schon bald der vergangenheit angehört.

wen sollten wir denn als nächstes fragen?

hast du was zu schreiben [lacht]?